Testbericht Bernina 750 QE



Dieser Post steht im Zusammenhang mit der Aktion Supertester vom Nähpark Diermeier
Im Rahmen dieser Aktion wurde mir die o.g.Nähmaschine zu Testzwecken kostenlos zur Verfügung gestellt. Es handelt sich somit um einen Werbepost, da ich Werbung für den nähPark und die vorgestellte Maschine mache. Der nähPark nimmt keinerlei Einfluss auf die Art der Berichterstattung und die dargestellte Meinung. 
Es handelt sich um meine persönliche Meinung und meine persönlichen Eindrücke im Umgang mit der Maschine. 




Testbericht

Ich hab lang überlegt, wie die Tests bei mir ablaufen sollen.
Im Endeffekt bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich einfach so weiter mache, wie bisher. Nicht ich richte mich nach der Maschine, sondern ich teste, wie die Maschinen in mein Leben passen.

Daher muss am Anfang meines Testberichts auch immer mein Ausgangspunkt stehen. Dann kann jeder Leser für sich entscheiden, ob er mit meinem Bericht vielleicht was anfangen kann.
Ich nähe seit etwa fünf Jahren und sticke seit vier Jahren. Erst mit einer Brother Innovis 950, jetzt mit einer Husqvarna Viking Designer Topaz 30 (mit der Software Embird2015) und einer W6 Overlock. Meist mach ich Kleidung für mich, manchmal auch für meine Familie. Andere Sachen näh ich gern zwischendurch, zum Beispiel Taschen, Kissen, Geldbörsen, Kuscheltiere, Umschläge oder anderen Kleinkram.
Meine Stickdateien digitalisiere ich gern mal selbst, vor allem die ITH-Sachen. Patchwork gefällt mir, aber bis auf ein paar Testobjekte hab ich mich da noch nicht wirklich ausgetobt.

Meine genähten Sachen halte ich fast immer für tragbar, aber nie für so perfekt, wie ich es möchte. Es gibt also Steigerungspotenzial.  Ich würde mich durchaus als technisch versiert betrachten, ich bin zumindest aber nicht auf den Kopf gefallen. 

Wenn ich mir eine neue Maschine kaufen würde, wäre es immer eine Näh-Stickkombination. Ich hätte eventuell auch Platz für zwei, aber ich möchte bis 20x36 cm Sticken und habe noch keine reine Stickmaschine gefunden, die das kann und so viel kostet, dass noch eine gute Nähmaschine drin ist.


Testbericht Bernina 750 QE

Ich hab mich schon manchmal gefragt, wie ich wohl nach den 10 Monaten über meine geliebte Topaz denken werde. Ist vielleicht eine Maschine dabei, die mir noch besser liegt? Und wieviel wird die dann kosten?
Das hab ich mich besonders vor Ankunft der Bernina gefragt.
Sind die wirklich so toll, wie manche Leute behaupten?
Also, Liebe auf den ersten Blick wird das schon mal definitiv nicht.
Beim Auspacken war ich schon beeindruckt, sie macht wirklich einen robusten Eindruck. Und erst diese Riesenspulen! Da können sich manche Hersteller wirklich mal ein Beispiel dran nehmen.

Aber dann wollte ich den Einfädler benutzen und kam gar nicht klar. Wie, Fuss runter und Nadel in die richtige Position bringen? Und als dann der Faden endlich drin war, Faden nach hinten und unter den Fuss, der ist doch unten, da geht nichts mehr durch. Ich kam mir vor wie ein Anfänger. Später hab ich es dann einfach mal ohne Anleitung versucht, und siehe da, es geht. Für mich ist es ein bisschen schwer, den Faden um den Haken zu führen, aber auch nicht komplizierter als bei Husqvarna.

An eines kann ich mich aber sicher nicht gewöhnen. Sie summt. Nicht beim Nähen, sondern im Stillstand.
Ich hasse Elektrogeräusche. Ich stecke ständig Ladegeräte aus, weil ich sie höre. Ich stecke meine Leselampe aus, weil mich das Trafogeräusch stört. Ich höre nicht das Gras wachsen, sondern den Strom, wenn er mal nicht fließt. Mein Mann hält mich für übersensibel.

Was solls, ich bin halt so. Vielleicht wird das im Alter besser, wenn ich schwerhörig werde. Aber solang ich so gut höre, werde ich niemals so eine Maschine kaufen, weil mich das wahnsinnig machen würde.

Das Metall auf der Nähfläche ist sicher für die Ewigkeit gedacht, aber es reflektiert die LED-Beleuchtung dermaßen, dass ich die Helligkeit runterstellen muss, um überhaupt arbeiten zu können. Diese Konstruktion kann ich überhaupt nicht verstehen.
LED-Beleuchtung finde ich grundsätzlich aber gut, alleine schon wegen der Wärmeentwicklung und dem Verbrauch.




Aber er es hilft ja alles nichts, ich soll die Maschine ja testen. Also habe ich gleich mal Unterfaden aufgespult.


Da zeigt sich ein großer Vorteil der Berninas, 80% mehr Unterfaden als bei anderen Spulen. Das finde ich toll. Etwas Bedenken hatte ich beim Thema Spulenwechsel, da es ja ein Umlaufgreifer ist und ich von Brother, Husqvarna und Pfaff die liegenden Spulen gewohnt war. Aber der Wechsel war schon nach kurzer Zeit einfach und schnell zu bewerkstelligen.

Allerdings hab ich ein paar Mal losgespult und der Faden hat sich nicht aufgewickelt. In der Anleitung steht, den Faden ein paar Mal um die Spule wickeln. Da find ich die Methode von Husqvarna  besser, man zieht den Faden von innen durch ein Loch und hält ihn oben kurz fest. Da die Spulen von Bernina auch Löcher haben, habe ich das einfach auch so gemacht. 

Wenn man den Hebel neben der Spulvorrichtung rüberklappt, spult sie sofort los, das hat mich etwas erschreckt und ich habe erst mal nach der Geschwindigkeitsregelung gesucht, die man auf dem Display findet. Mir wär es lieber, man könnte sie nach dem rüberklappen starten.

Da ich während der Testzeit mit zwei Maschinen arbeiten muss, die Bernina habe ich ja ohne Stickmodul, musste ich etwas mit den Kabeln tricksen. Da zeigte sich gleich ein weiterer Nachteil:


Das Kabel für den Fussanlasser ist zu kurz. Ich muss es nach vorne legen, eigentlich wollte ich es nach rechts hinten haben. Ist mir bei drei Nähmaschinen bisher noch nie passiert.

Ich wollte einen verdeckten Reissverschluss einnähen, aber das geht so nicht, der passende Fuss ist nicht enthalten.


Bei Bernina braucht man für den verdeckten RV einen speziellen Fuss, der im Bild rechts ist nur für normale RV. Links sieht man meinen Fuss von der Husqvarna, mit dem ich sowohl normale als auch verdeckte RVs einnähen kann. Falls das jemand auch so macht, gleich den speziellen Fuss für den verdeckten Reissverschluss mitbestellen und wieder umstellen.

Ich habe dann stattdessen Schneebälle aus Fleece genäht. Da fand ich gut, dass die Bernina zu Nahtbeginn den Faden automatisch vernäht. Allerdings ist der Restfaden nach dem Abschneiden so kurz, dass man nicht ohne vernähen arbeiten kann.
Hier gibt’s eine weitere praktische Funktion, man kann die Schneidetaste so programmieren, dass erst ein paar Stiche vernäht wird und dann geschnitten. 

Bei den kleinen Rundungen ist es gut, dass man die Nadelstellung einstellen kann und diese Einstellung auch nach dem Ein- und Ausschalten erhalten bleibt, da ich meine Arbeit oft unterbreche.
Allerdings tu ich mich mit dem Prinzip des Kniehebels immer noch schwer, die Lösung von Husqvarna mit dem Tippen aufs Pedal finde ich angenehmer. 

Ich habe oft gelesen, Bernina näht alles, was unter den Nähfuss passt. Das glaube ich jetzt und habe es auch mit Gurtband und Kunstleder getestet. Allerdings fehlt mir ein Extralift. Denn grad wenn es unter dem Nähfuss knapp wird, bleibt man gern mal am Transporteur hängen. Statt den zu versenken find ich den Extralift praktischer.

Die integrierten Alphabete sind schön und die Menüführung dabei auch wieder so einfach, dass meine 11jährige Tochter das fast ohne Hilfe aufs erste Mal geschafft hat. Bei den Buchstaben transportiert die Bernina auch wieder perfekt, so dass man alle Buchstaben gut lesen kann.

Hier ist der mitgelieferte Anschiebetisch praktisch. Er ist stabil und hat eine gute Form, die aufgezeichneten Maßeinteilungen sind optimal, vor allem, weil sie über den ganzen Tisch gehen.
Vorne ist ein Sichtfenster für den Spulenwechsel.
Ich hätte mir noch die Möglichkeit gewünscht, durch die Nadel zu spulen. Manchmal braucht man nur noch ne halbe Spule voll, um den Rest zu nähen. Wenn man dann keine zweite Nähgarnrolle mehr hat, muss man ausfädeln. Ich weiß, jammern auf hohem Niveau. Aber dank der Riesenspulen kommt das ja nicht so oft vor.

Der Blindstichfuss funktioniert zusammen mit dem entsprechenden Stich so, wie das sein soll. Selbst mit dem relativ feinem Stoff meines Rockes war das kein Problem.
Ein anderer feiner Stoff hat mir mehr Probleme bereitet. Hier sieht man zwei Lagen übereinander genäht:
Das ist die Rückseite:

Ich habe verschiedene Garne getestet, am Schluss oben weiß und unten schwarz von gleicher Marke und Qualität, mit Nähberater und unterschiedlicher Oberfadenspannung, aber ich habe es nicht besser hinbekommen. Eventuell könnte man noch die Balance ändern, aber ich habe den Stoff dann auf meiner anderen Nähmaschine verarbeitet.

 Die 750 QE hat auch eine Menge an verschiedenen Stichen, ein paar Zierstiche habe ich auch getestet.

Es wird auf dem Display immer angezeigt, wo genau die Maschine gerade näht, das ist bei Zierstichen echt praktisch. Zudem kann man programmieren, dass nach einem Muster gestoppt wird.
Auf die Länge hin hatte ich dann die Tendenz nach rechts, obwohl ich den Stoff gar nicht berührt habe. Nachdem ich gesehen habe, dass der Transporteur nicht mittig ist, liegt es wohl an meiner Maschine, ich würde sie einschicken, wenn es meine wäre.

Es werden 7 verschiedene Nähfüsse mitgeliefert, die sich schnell und einfach auswechseln lassen. Bei den meisten kann man auch den Dualtransport nutzen, der bei schwierigen Stoffen für noch gleichmäßigeren Transport sorgt (obwohl der ohnehin schon super ist). Nadelwechsel ist ebenso kein Problem.
Die Knopflöcher werden sehr schön, gerade und gleichmäßig:
Hier habe ich einfach mal verschiedene getestet. 

Das ist übrigens die Rückseite. 
Die Bedienung bei den Knopflöchern ist übersichtlich und verständlich, hier mal ein Blick aufs Display:

Rechts unten sieht man das Feld, mit dem man die Größe auch einstellen kann, einfach den Knopf drauf halten und am Regler drehen.
Allerdings sollte man bei Knopflöchern auf die Schnelle lieber schauen, wo die Einlage ist, sonst sieht man wie ich das hier:



 

Der Stoff wurde in die Maschine gezogen, dann ging nichts mehr. Das ist mir dann ausgerechnet auch bei einem sehr heiklen Projekt passiert, obwohl ich bei allen Knopflöchern immer genau das Gleiche gemacht habe.
Das ist wohl der Nachteil des breiten Transports. Vor allem ist es sehr schwierig, den Stoff dann wieder heil rauszubekommen.
Beim Knopflochnähen der Weste ist mir dann noch aufgefallen, dass es praktischer ist, wenn er Freiarm wirklich 90 Grad zum Nähfuss hat, was bei der 750 nicht der Fall ist. Mit geradem Freiarm sehe ich besser, ob mein Nähgut auch wirklich gerade liegt. Auf dem Anschiebetisch sind leider nur senkrechte Linien.

Trotzdem frag ich mich, warum viele Leute meinen, Bernina würde viel bessere Knopflöcher machen als andere Marken.
Wenn man weiß, wie man das Kleidungsstück vorbereiten muss und vorher das richtige Knopfloch aussucht, das in der Stichdichte optimal anpasst, klappt das mit fast jeder Maschine (die einen automatischen Knopflochschlitten oder –fuss hat).
Bei dieser Maschine könnte man noch die Raupenbreite und Schlitzbreite anpassen, was nicht alle können. Aber ich glaube, dazu mache ich zu wenig Knopflöcher.

Bei der 750 QE wird auch das BSR-System mitgeliefert. Dazu habe ich mir vorher ein paar Videos angesehen und wusste, das muss ich testen. Allerdings hatte ich grad nichts zum quilten da, das ist auch nicht mein Metier. Also hab ich mich für „Nähmalen“ entschieden, mit Applizieren.


Die Leder-, Tüll- und Filzteile sind mit der BigShot ausgestanzt. Mit Hilfe der Anleitung bekommt man das Funktionsprinzip des BSR recht schnell raus. Alles andere ist Übungssache. Es ist schon ungewohnt, die Geschwindigkeit mit den Händen und nicht mit dem Fuss zu steuern. Hier zeigen sich auch zwei weitere Vorteile der Bernina 750 QE: Der Einfädler funktioniert mit jedem Fuss gleich gut und die großen Spulen sorgen für wenig Unterbrechung.

Ich habe nach wie vor den Eindruck, je dicker und störrischer das Material, desto mehr setzt sich die Bernina 750 von anderen Maschinen ab. Darum muss ich natürlich auch mal Jersey testen.
Für die normalen Nähte habe ich eine Overlock, daher interessiert mich nur, wie ich das Covern imitieren kann.
Allerdings hab ich da so meine Probleme.

Der Tricotstich Nr. 14 geht gut, gefällt mir aber optisch nicht.
Der Stich Nr. 10 stach mir dann ins Auge, weil er auf dem Display genau so aussieht, wie der, den ich auf meiner Topaz als Coverersatz nutze. Aber mit dem Stich stimmt was nicht.




  Für mich sieht die Anzeige aus, wie zwei Geradstichlinien mit einer Zickzack in der Mitte, genäht sieht es aus, als wäre links eine Zickzack und rechts eine gerade Naht. Als ob die linke Reihen fehlen würde.
Man hat bei der Bernina 750 über die Infotaste (in der Mitte) die Möglichkeit, allerlei Einstellungen für diesen Stich vorzunehmen. Das ist praktisch und Übersichtlich, aber mit keiner Einstellungen habe ich eine durchgehende Naht hinbekommen.

Ich habe mich dann doch entschieden, den Tricotstich zu nutzen und der hat auch problemlos geklappt, auch über Nahtkreuzungen.
Die mitgelieferte Aufbewahrung fand ich erst gut, aber im täglichen Gebrauch hat sie sich doch als zu sperrig erwiesen. Da gefallen mit die Fächer bei Pfaff besser.


Fazit:
Ich bin hin und hergerissen. Der Austausch während des Tests in verschiedenen Foren hat es nicht besser gemacht.
Die Bernina 750 QE ist mit Sicherheit eine tolle Maschine. Aber ich komme mit dem Funktionsprinzip einfach nicht klar. Vielleicht näh ich schon zu lang auf Brother/Husqvarna/Pfaff, das war meine allererste Bernina.
Bei einem UVP von 3799 Euro ist sie schließlich kein Pappenstiel, bei mir kämen noch 899 Euro für das Stickmodul dazu.
Im Laufe der Testzeit habe ich mich mit ihr angefreundet, besonders bei schwierigen Stoffen ist es echt eine Freude, mit ihr zu nähen. Man kann ihre Kraft richtig fühlen.

Aber in jeder Nähpause (und das sind ja viele, schließlich beträgt der Anteil des Nähens ja nur ca. 30 % der Arbeit) hab ich sofort wieder das komische Geräusch gehört, mit dem ich gar nicht leben kann. Dazu kam immer wieder, dass ich beim Weggehen von der Maschine fast nichts mehr klar sehen konnte.

Ein Allrounder ist sie für mich auch nicht, feine und dehnbare Stoffe leiden unter dem breiten Transport.
Im Endeffekt würde ich sagen, wer Bernina mag, wird sie sicher lieben und lange keine Maschine mehr brauchen, denn sie wird sicher sehr lange sehr gut arbeiten.
Wer schon immer gern mit Husqvarna oder Pfaff gearbeitet hat, könnte so seine Probleme mit ihr haben.



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