Ginger - meine erste passende Jeans

Achtung, EXTREM langer Post!

Schon lange hab ich dieses Projekt vor mir hergeschoben.
Ich habe immer wieder mal Jeansstoff gekauft.
Ich habe den Schnitt gekauft und hatte Stress, weil mein Browser gestreikt hatte und die Downloads nicht aufzufinden waren. Aber Heather von Closet Case war schnell und freundlich, schlussendlich hatte die ich Daten dann.
So lag die Datei dann auf dem Rechner....
Irgendwann hab ich den Schnitt zumindest mal ausgedruckt, geklebt und geschnitten.
Dann wieder weggeräumt.
Woran lag es?
Ganz einfach, an der Passform.
Mir passt ja eigentlich kein Schnitt wirklich auf Anhieb.
Meine Taille ist zu weit oben und zu breit.
Meine Oberweite ist zu weit unten und zu groß.
Meine Hüften sind im Vergleich dazu zu schmal und insgesamt bin ich zu klein.
Seit ein paar Tagen weiß ich auch, dass mein Becken zu weit nach vorne gekippt ist.

Ich habe schon ein paar Hosen genäht. Meine Couchinghose passt mir, ebenso die Skarpa aus dem Coveralong. Aber durch das Material fallen hier Passformprobleme nicht so auf (aber jetzt weiß ich, dass ich da auch noch nacharbeiten werde....)
Vor zwei Jahren hab ich es dann mal mit Burda versucht. Erst eine Shorts aus Webware, die landete gleich im Müll. Dann eine Röhre und eine Five-Pocket-Jeans. Beide Schnitte gemischt ergaben zwar drei tragbare Hosen, aber an jeder hab ich was zu bemängeln.
Gewünscht hab ich mir einfach einen Basisjeansschnitt, den ich nach Lust, Laune und Mode ändern kann.
Im Netz wurde die Ginger hochgelobt und ich habe die Berichte verschlungen. Aber was nützt es, die anderen beim Nähen zu beobachten, denn keine hat die gleiche Figur wie ich.

Vor ein paar Monaten gab es dann mal ein Angebot bei Makerist und ich habe mir den Kurs "Schnittmuster für Hosen: Passformkorrektur" geholt.
Am Anfang etwas langatmig, aber ich habe eisern durchgehalten. Nach ein paar Episoden kamen dann doch die Probleme, die mir bekannt vorkamen, aber deren Lösung ich bis jetzt entweder nicht gefunden oder verstanden habe.
Jetzt muss es doch klappen!
Also habe ich meinen blauen Probestoff gesucht und losgelegt. So sah dann der erste Versuch aus:






Wie im Kurs erwähnt, habe ich mich für nicht dehnbaren Stoff entschieden, damit mir auch ja keine Problemstelle entgeht. Ich habe meine abgesteckten Änderungen übertragen und neu zugeschnitten:



Da wars dann wieder, das alte Problem: Die Änderung an einer Stelle verursachte woanders wieder einen Fehler. Genervtes Stöhnen.... Aber ich wollte nicht aufgeben. Nochmal geändert.

Todesmutig hab ich den ersten richtigen Jeansstoff angeschnitten, feige, wie ich war, einen sehr dehbaren.
 Die Taschen wollte ich trotz des Versuchsmodells doch verziehren.
 Diesmal nicht mit dem Gürtelschlaufenfalter, sonst wären sie schmäler geworden.
 Braunes Garn besitze ich fast nichts, aber das gelb hat schön zum Futterstoff gepasst.



Dabei habe ich gleich mal Schritt für Schritt penibel nach Anleitung gearbeitet, der Reißverschluss wurde ja auch immer wieder lobenswert erwähnt.
Kam mir irgendwie bekannt vor, die Technik. Weil ich das schon länger so mache. An dieser Stelle hätte ich euch gerne das Video verlinkt, aber es wurde gelöscht. Schade. Aber ich habs ja jetzt auf Papier ;)

Jedenfalls habe ich dann auch ganz stolz die Innenbeinnaht abgesteppt, die Aussenbeinnaht dann aber nur geheftet, weil ich vielleicht noch was anpassen musste.

Bilder von dieser Stelle kann ich euch leider nicht zeigen, ich war so wütend, dass ich sofort mit dem Auftrennen begonnen hab. Ich glaub, ich hab die halbe Nacht getrennt....
Dann hab ich nochmal nachgedacht, im Schritt nachgebessert und aussen 2 cm abgenommen.
Ich habe immer das Problem, dass vorne untern RV zu viel Material ist.


Und hier kann man auch mein Problem sehen. Bei normaler Körperhaltung Falten vorne. Kippe ich das Becken nach vorne, sind die Falten weg. Mit dieser Erkenntnis habe ich die Hose noch ein bisschen korrigiert und den Schnitt dann gleich so geändert, wie Vivien das in ihrem Video zeigt.

Ich hoffe, bei der nächsten sind die Falten dann gleich weg.
Ich war schon begeistert, dass der Bund auch gleich gut gepasst hat. Im Schnitt ist er schon etwas geformt, ich hab es noch mal gesteigert.

 Diese Falten stören mich noch, aber das bekomm ich auch noch hin.
Und es ist auch immer wichtig, WIE gearbeitet wird. Eine geheftete Naht sitzt immer noch anders als eine genähte und abgesteppte.
Denn als ich endlich wirklich fertig war, inkl. Knöpfe, Nieten, Saum und Bügeln, sass sie wieder besser.

Da war ich so happy, dass ich gleich  mal ein paar Schnappschüsse gemacht hab.
Die Fotos mit der Sony Alpha 6000 und der Fernbedienung wurden jetzt auch nicht der Knaller.... Ich muss wohl mal wieder die Dienste der Verwandtschaft in Anspruch nehmen. Aber bis dahin sammle ich erst noch ein paar Projekte an.


Doof an den Selfies ist auch, dass man erst beim posten merkt, dass die Hose schon dreckig ist...
Ist schon irgendwie komisch, wenn man seinen eigenen Hintern fotografiert, aber das ist ja nun mal die wichtigste Stelle der Jeans, oder?

Auf Ganzkörperbildern geht die Hose irgendwie unter. Aber was solls, ich näh noch ein paar und dann zeig ich sie einfach alle zusammen. Die vielen Änderungen haben meiner Meinung nach dem Stoff auch nicht gut getan. Ich hoffe doch, dass es bei den nächsten zwei oder dreien dann mal auf Anhieb hinhaut, dann kann ich mich mit der Dressur beschäftigen.
Schnittmuster: Ginger von Closet Case Files
Stoff: Stash, Herkunft und Materialzusammensetzung unbekannt. Ziemlich dehnbarer Hosenstoff in Jeansoptik
Garne: Gütermann
Maschinen: Husqvarna Topaz, Bernina 215, Bernina L460
Hilfe: Makerist Kurs Hosenanpassung von Vivien Altmann, Hobbyschneiderin Forum
Änderungen: Hintere und vordere Hosenmitte gekippt, hintere Schrittnaht vertieft, Hohlkreuzanpassung an der hinteren Passe, Gesamtweite verkleinert, Beinweite von einer Nummer kleiner, Potaschen 1 cm höher.
Jacke: selbstgestrickt nach einer Filati Anleitung, Garn Lana Grossa
Nieten: Prym
Verlinkt bei: Memademittwoch, Somachichdas

Kommentare:

  1. Was für ein Durchhaltevermögen.
    Tolles Ergebnis.
    Lieber Gruß
    Elke

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  2. Liebe Tanja,
    das waren ja unzählige Stunden, die Du an der Jeans verbracht hast. Aber wohl eine jede davon war gut investiert. Die "Schlußversion" Deiner Ginger sitzt und hoffentlich hast Du alle Änderungen gut notiert (da schlampe ich oft). Die Ginger habe ich (neben der Birkin und der Morgan) auch, aber nach dem Drucken und dem ersten Probeschnitt hat mich die Motivation verlassen, da muss ich wohl nochmals ran. Und mit der zu hohen und breiten Taille, den schmalen Hüften: da kann ich mich anschließen....
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Naja, bei mir lag der Schnitt ja nun auch lang genug rum. Anpassen muss ich immer, das weiß ich inzwischen, aber ich finde die Anleitung, obwohl auf Englisch, echt gut verständlich. Das allein war den Kauf schon wert, auch Heathers Blog dazu.
      LG
      Tanja

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  3. Liebe Tanja,
    ich finde Deine Jeans ganz wunderbar!
    Ich habe bereits zwei Gingers genäht und kenne das Problem des Stoffüberschusses im vorderen Schritt, allerdings bin ich zu der Erkenntnis gekommen: faltenlos geht's nicht, weder vorne noch hinten. Wie Du selbst sagst, je nachdem, wie man steht, gibt es Faltenwurf oder eben auch nicht. Ich habe mir viele Gingers im Internet angesehen und festgestellt: da sitzt keine faltenfrei. Man ist als Näherin gelegentlich so streng mit sich, da achtet ansonsten kein Mensch drauf! Und ohne Falten könntest Du in der Hose nicht mehr sitzen, dafür braucht man ja auch etwas Raum.
    Trag Deine Ginger mit Stolz, sie ist toll geworden!
    LG Lexi

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  4. Ganz ehrlich? Die Jeans sitzt doch bombe! Finde mal eine Kaufjeans die so sitzt! Ein paar Falten gehören dazu. Ist einfach so. Und im Laufe der Tragezeit kommen noch mehr Falten dazu, gerade wenn der Stoff sehr dehnbar ist.
    Trage sie mit stolz und freue dich über die vielen Erkenntnisse ;-)
    Ich für meinen Teil freue mich, über deinen Post, da mir deine Herangehensweise für meine Hose helfen wird (der einige Passformprobleme nachgesagt wird-ich sie aber umbedingt nähen mag)
    Liebe Grüße Miriam

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    1. Ja, das stimmt, ganz ohne Falten gehts einfach nicht. Es sei denn, ich stehe den ganzen Tag still. Da gehört wohl auch viel Gefühl dazu. Ich fühle mich jetzt einfach wohl in der Jeans, vorher hat mich der Stoffüberschuss vorne immer sehr gestört.
      LG
      Tanja

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  5. Ich habe grad auch so einen Hosenhorror hinter mir. Habe letztlich nun auch irre viele Änderungen gemacht, aber keinen Stoff mehr um auszuproberen, ob ich nun DEN einen Basisschnitt habe, denn das war auch mein Wunsch.
    Toll zu sehen, dass Durchhalten sich lohnt! Die Hose sitzt doch schon sehr gut. Man ist ja auch immer kritischer gegenüber den eigenen Nähwerken als gekauften Dingen. Zieht man zum Vergleich eine Kaufjeans an fallen einem plötzlich auch Stellen auf, die nicht so gut sind :D

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    1. Genau das Problem hab ich jetzt mit meinen Kaufjeans. Da wird demnächst gnadenlos aussortiert und durch selbstgenäht ersetzt!
      LG
      Tanja

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  6. Wow, ich bin begeistert von deiner perfekt sitzenden Jeans. Danke, dass du auch deinen Weg dorthin mit uns teilst. Mir geht es wie dir.. von der Ginger Jeans habe ich schon sooo oft gelesen, aber getraut habe ich mich nie. Ich hatte Befürchtungen vor den Änderungen. Aber dein Blogpost macht wirklich Mut es anzugehen. Nach dem Makerist Kurs muss ich gleich mal schauen.
    Lieben Gruß,
    Julia

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    1. Seit ich weiß, dass es ohne Anpassungen bei mir nie klappen wird, bin ich entspannter. Aber ich werde auch weniger Schnitt kaufen und lieber meine fertig angepassten verändern. Das gesparte Geld kann ich dann ja in Makerist Kurse inverstieren, es gibt ja auch auch noch einen für Oberteile :)
      LG
      Tanja

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  7. Respekt für Dein Durchhaltevermögen, aber das Resultat gibt Dir Recht. Ich habe die Ginger schon oft genäht und bin ich sehr zufrieden, aber bis auf eine Bundanpassung kann ich mit kleinen Passformmängeln ganz gut leben. Hauptsache der Stoff stretcht schön. Eine braune Jeans ist auch eine tolle Idee! LG, Tanja

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  8. Ganz, ganz toll, deine penible Arbeitsweise genauso, wie deine Hose.
    LG von Susanne

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    1. Danke! Penibel klingt auch viel besser als pingelig ;)
      LG
      Tanja

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  9. Wow! An eine Jeans habe ich mich noch nie getraut. Und Deine ist richtig klasse geworden!
    LG Julia

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  10. Respekt für dein Durchhaltevermögen! Die Jeans sitzt klasse. Wie einige hier habe ich mich noch nie an eine Jeans getraut, und zudem drücke ich mich gern vorm Hosennähen (was sich demnächst ändern soll). Ich habe auch den Makerist-Kurs über das Anpassen von Hosen, gut zu wissen, dass er dir gut geholfen hat!
    Viel Spaß an deiner Ginger!
    LG
    Sandra

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  11. Deine Hose sitzt wirklich gut! Und bei einer engen Hose müssen hinten ja Falten sein, wenn man nicht eine Stehhose haben will, sondern sich auch manchmal gemütlich hinsetzen will. Spannend, wie du den ganzen Entstehungsprozess beschreibst. Ich will das Thema auch bald angehen, ein bisschen Anpassung habe ich ja auch schon bei meinem Projekt diese Woche betrieben. Aber meine Figur ist ganz anders als deine. LG Christa

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  12. Wow. Du hast ja Biss. Aber es hat sich voll gelohnt. Die Hose sitzt klasse. Toll. Meine Bewunderung hast du. LG Ute

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  13. Hut ab vor Deiner unendlichen Geduld - aber die hat sich gelohnt. Deine Hose sieht toll aus.
    Liebe Grüße Epilele

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  14. Danke für Deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Den Kurs bei Markerist habe ich auch schon gekauft, aber noch nicht geschaut. In 2 Wochen möchte ich Hosen nähen starten, alles andere habe ich schon durch. LG Mandy

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  15. Ich gratuliere zu deinem Durchhaltevermögen! Das hat sich wirklich gelohnt, die Jeans sitzt prima und jetzt hast duneren gut passenden Wchnitt, den du immer wieder verwenden kannst. Nur Vorsicht bei der Auswahl der zukünftigen Stoffe, denn ohne/mit/mit viel Elasthan macht schon einen Unterschied. Danke auch für deinen ausführlichen Bericht.
    LG
    Siebensachen

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    1. Genau das Problem der Stoffwahl liegt mir noch etwas im Magen... Ich hoffe, irgendwann kann ich das besser abschätzen und beim Zuschnitt gleich mit einplanen.
      Am liebsten wäre es mir ja, einen Stoff zu finden, den es längere Zeit gibt und den ich dann einfach nachkaufen kann. Aber da die meisten Shops weder Hersteller noch genaue Stoffbezeichnung des Herstellers angeben, gestaltet sich die Suche etwas schwierig. Muss ich mich wohl auf die Materialzusammensetzung verlassen.
      LG
      Tanja

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  16. Also ich finde die Hose und dein Durchhaltevermögen klasse! Es hat sich gelohnt, macht doch immer noch mehr Spass als im Geschäft auf beengtem Raum tausend Jeans auszutesten, von der eh keine perfekt passt ;oD lg, Raphaele

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  17. Also wow, großen Respekt und Hut ab und die Hose sitzt doch 1A - oder nicht? Keine Kaufhose würde Dir so exakt passen. Toll, dass Du Dich durch den Kurs gearbeitet hast und trotz Fluchen und Trennen nicht aufgegeben hast! (Eine passende Hose steht mir noch bevor.)
    Aber weißt du was: Immer wenn ich in letzter Zeit irgendwo lese: Meine Hüften sind zu ..., meine Taille ist zu..., meine Beine sind zu...., mein Po ist zu...., dann fällt mir immer auf, wie sehr mich Crafteln und auch die Modeflüsterin im letzten Jahr gehirngewaschen haben. Denn ich denke immer: Es ist was es ist, sagt die Liebe. Jeder Körper ist anders. Und das ist gut so. Liebe Grüße von der Gabi

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