Ratgeber Nähmaschinenkauf

Ich habe ein paar Tipps für euch, wenn ihr auf der Suche nach einer neuen Maschine seid.
Allerdings werdet ihr hier weder Marken, Modelle noch Händler finden.
Was und wo ihr kauft, entscheidet ihr allein. Aber vorher solltet ihr euch ein paar Fragen stellen und ein paar Punkte beachten. Dabei ist es eigentlich egal, ob es gerade um eine Nähmaschine, Stickmaschine, Cover oder Overlock geht.

1. Wieviel bin ich bereit auszugeben?

Wichtig ist dabei, dass ihr BEREIT seid, das auszugeben. Rechnet nicht mit dem Betrag, den ihr euch maximal LEISTEN könnt. Was ich meine?
Wenn man sich das Geld für die neue Nähmaschine quasi vom Mund abspart, ist Stress vorprogrammiert und die Enttäuschung noch größer, wenn etwas nicht funktioniert.
Nähen soll Spass machen und keine Diskussion ums Geld auslösen.
Der Betrag für die Maschine sollte also locker übrig sein.
Denn mit der Maschine ist es ja meist nicht getan. Wie beim Auto gibt es Folgekosten.
Meine Stickkombi darf alle ein, zwei Jahre zum Kundendienst, der schlägt mit ca. 100 Euro zu Buche. Es kann auch mal was dran kaputt sein, bzw. verschleissen. Bei aktuell vier Maschinen kommt da bei mir schon mal was zusammen.
Zu vielen Maschinen gibt es dann noch unzähliges Zubehör. Am Anfang sagt ihr vielleicht, das braucht ihr nicht, aber ich kann euch sagen, ihr werdet trotzdem immer wieder mal danach schauen.
Ich habe mich langsam hochgearbeitet und mit kleineren Maschinen angefangen. Meine erste Kombi habe ich nach zwei Jahren noch gut verkaufen können und das Geld in die nächste gesteckt.

2. Was soll die Maschine können, was darf dabei sein?

Wenn man nicht gerade mit dem Nähen anfängt, hat man zumindest schon eine gewisse Vorstellung davon, was man von der Maschine erwartet.
Dazu macht man sich am besten eine Liste, mit Features, die die Maschine haben soll.
Ein paar Beispiele:
Fadenwächter (oben, unten), Fadenschneider, Nähfussheber automatisch oder manuell, Nähprogramme, Zierstiche, Zusatzfüsse, Nähfussdruck verstellbar, Geschwindigkeit, Durchstichskraft, Stichbreite, Seitwärtstransport, Updatefähigkeit und noch vieles mehr.
Nicht immer ist dann aber die Maschine mit den meisten Funktionen auch die Beste. Manchmal gibt es einfach nicht die eierlegende Wollmilchsau und man muss auf mehrere Maschinen zurückgreifen.
Überlegt euch aber auch gut, was wirklich sein muss.
Es ist sicher toll, wenn die Maschine für 100 Euro mehr mit einen extra Zubehör geliefert wird (Software, Anschiebetisch o.ä.), aber wenn man das gar nicht benötigt, sind die 100 Euro auch zu viel. Alternativ kann man den Betrag ja in Garn oder Vlies investieren.


3. Wo kaufe ich die Maschine am besten?

Beim Kauf sollte man wellenförmig vorgehen :)
Zuerst mal in der direkten Umgebung, dann weitere Wege und dann bestellen, wenns nicht anders geht. Klingt komisch?
Ich bevorzuge in allen Bereichen den Händler vor Ort, nicht nur bei Nähmaschinen.
Daher habe ich es auch so gemacht und hier in der Gegend angefangen.
Man kann sich die Maschinen anschauen, testen und den Händler löchern. Manchmal bringt das aber nichts, weil es die gesuchte Maschine dort nicht gibt oder man mit dem Händler einfach nicht klar kommt. Dann kann man ja mal einen weiteren Weg in Kauf nehmen. Dafür am besten vorher anrufen und den Ablauf besprechen.
Viele Händler haben einen eigenen Shop oder zumindest eine Homepage, auf der man sich in formieren kann.
Auch nichts?
Gut, dann kann man eine Nähmaschine auch bestellen. Aber auch in diesem Fall gibt es Unterschiede.
Für mich gibts es da den "Onlineshop" und das "Fachgeschäft online". Was ist der Unterschied?
Man kann Nähmaschinen mittlerweile in vielen Onlineshops bestellen, die auch Rasenmäher, Unterhosen und Filme verkaufen. Das heißt in der Regel, dass man bei Problemen keine Hilfe bekommt. Der Herr von der Hotline weiß wahrscheinlich dann noch nicht mal, was man da genau gekauft hat.
Da kauft man doch besser beim Fachhändler online.
Wie schon gesagt, viele Nähmaschinenhändler verkaufen ihre Maschinen auch online oder telefonisch. Es sind ganz normale Fachgeschäfte, die irgendwann auf den Onlinezug aufgesprungen sind. Und genau so bekommt man dann auch Hilfe, anrufen oder mailen. Informiert euch einfach vorher gründlich, wer oder was hinter dem Shop steckt.

4. Wo finde ich Hilfe?

Wenn der Händler nicht helfen kann, weil ihr vielleicht gebraucht gekauft habt oder es den Laden nicht mehr gibt, gibt es ja glücklicherweise heutzutage viele Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen.
Da sind zum Beispiel Foren, Facebookgruppen, Blogs, sowie allgemeine Infoseiten der Hersteller.
Wer seine Maschine nicht bei einem Fachhändler kauft, muss eben selbst sehen, wie er an Infos kommt, das sollte man vorher mit einplanen.
Dabei ist es dann auch wichtig, welche Marke und welches Modell ihr habt. Zu bestimmten Maschinen werdet ihr so viele Infos finden, dass ihr vermutlich gar nicht alles lesen könnt, zu anderen gibt es so wenig Berichte und Besprechungen, dass es einem schon komisch vorkommt.
Meine Stickkombi ist relativ selten, aber ich habe ziemlich früh herausgefunden, dass sie viel mit den anderen Kombis von Husqvarna gemeinsam hat und habe mich daran orientiert.
Meine Cover dagegen ist sehr weit verbreitet, weil eben für eine Cover relativ günstig, was meiner Meinung nach der Grund dafür ist, dass man so viel von Fehlstichen liest. Das führt mich auch gleich zum nächsten Punkt:

5. Ich habe mich entschieden, und nun?

Wenn euer neues Schätzchen endlich da ist, setzt euch auch mit ihr auseinander. Vermutlich hat sie dann so ziemlich alles, was ihr gesucht habt, fangt einfach damit an. Selbst eine High-End-Maschine ist schlussendlich auch nur eine Maschine und daher nur genau so schlau, wie der, der davor sitzt.
Lest die Anleitung, näht drauf los. Wenn etwas nicht funktioniert, ist der Ablauf nicht "Telefon-Händler-PC-Forum-Facebook-Hilferuf" sondern "versuchen-klappt nicht-Einstellungen ändern-versuchen...usw". Selbst wenn 99 Leute mit der gleichen Maschine die Fadenspannung auf 4 haben, kann es trotzdem sein, dass eure Maschine auf Fadenspannung 2 das bessere Ergebnis bringt.
Um Einstellungen gleichzusetzen, müssten nämlich alle genau die gleichen Vorraussetzungen haben.
Das hieße dann: Gleicher Stoff, gleiches Garn, gleiche Nadel, gleiche Fadenspannung beim Aufspulen des Unterfadens, gleiche Unterfadenspannung und, um es mal extrem zu sagen, gleiches Waschmittel und eigentlich müsste auch der gleiche Arbeiter die Maschine montiert haben.

6. Kleiner Tipp am Rande

Wer so fleißig war und bis hier hin gelesen hat, bekommt noch einen Rat mit auf den Weg:
Ihr heiratet eure Maschine nicht. Beim Hobby gibts kein "bis dass der Tod euch scheidet". Nähmaschinen sind Wegbegleiter.
Ihr sucht euch eine, die aktuell zu euch passt. Und wenn ihr euch weiter entwickelt (egal ob hoch, weil vielleicht der Stickbereich größer werden muss, oder runter, weil ihr vielleicht nicht mehr sticken wollt), dann dürft ihr euch auch von ihr trennen.
Behandelt die Maschine pfleglich, dann bekommt ihr auch noch gutes Geld dafür, manchmal nimmt sie der Händler in Zahlung. Erfahrungsgemäß bringt der Privatverkauf aber mehr ein.
Dann dürft ihr wieder bei Punkt eins anfangen und euch auf die Suche begeben, ich wünsche euch viel Spass dabei!






1 Kommentar:

Ich freu mich über jeden Kommentar und auch über konstruktive Kritik und Hinweise!