Abschlussbericht Singer Quantum Stylist




Dieser Post steht im Zusammenhang mit der Aktion Supertester vom Nähpark Diermeier
Im Rahmen dieser Aktion wurde mir die o.g.Nähmaschine zu Testzwecken kostenlos zur Verfügung gestellt. Es handelt sich somit um einen Werbepost, da ich Werbung für den nähPark und die vorgestellte Maschine mache. Der nähPark nimmt keinerlei Einfluss auf die Art der Berichterstattung und die dargestellte Meinung. 
Es handelt sich um meine persönliche Meinung und meine persönlichen Eindrücke im Umgang mit der Maschine.

Singer Quantum Stylist 9985

Eine Maschine, auf die ich mit gemischten Gefühlen gewartet habe. Sie ist mit 999 € UVP die günstigste Maschine bei den Supertestern. Singer hat zudem im Netz nicht grad den besten Ruf unter den Nähern, hier hört man oft „Früher war alles besser.“
Mal sehen, immerhin habe ich auf einer Singer Stylist 437 das Nähen gelernt.
Meine Testzeit begann mit etwas Verzögerung, da bei der ersten Maschine die Nadelstange verschoben war. Komischerweise war das bei meiner Testkollegin ebenso.  Aber, wie ich es eben vom Nähpark gewohnt bin, die nächste war sofort auf dem Weg.

Die Singer lässt sich relativ schwer aus dem kleinen und leichten Karton befreien. Ein oder zwei Vertiefungen hätten mir die Arbeit sehr erleichtert. Hat man erst mal das Styropor aus dem Karton, kann man die Maschine flott aufbauen. Sie ist nicht allzu schwer, das Zubehör ist schon im Staufach, nur noch einstecken und schon kann es losgehen.

Es liegt eine Anleitung in DIN A 5 bei (die ich erst mal übersehen habe), aber die Maschine lässt sich zumindest fürs einfache Nähen auch ohne Anleitung intuitiv bedienen.
Der Fadenweg fürs Spulen ist aufgezeichnet, ebenso fürs Einfädeln der Ober- und Unterfadens. Der Sinn eines Hakens hat sich aber trotz Lesen der Anleitung bis zum Schluss nicht gezeigt.
Beim Spulen hat das Display geflackert, was mich doch etwas irritiert hat. Verkauft wird mit der Bezeichnung „Farbdisplay“, aber dafür sind mir die Farben viel zu fade, da hätte es auch ein Schwarz-Weiß-Display getan.
Zudem spult sie mir zu langsam.

Der Einfädler funktioniert tadellos.
Aus Gewohnheit wollte ich mit nicht abgesenktem Fuß losnähen, aber das geht nicht, da der Nähfußlift mechanisch ist. Die Maschine macht einen allerdings durch ein Bild im Display darauf aufmerksam.
Von der Geräuschkulisse war ich zunächst positiv überrascht.
Ebenso vom Fadenschneider, schnell und präzise.

Man kann entweder mit Fußpedal nähen oder per Starttaste. Das mach ich aber nie, auch wenn das meine eigene Maschine auch kann. Ich habe mit Pedal einfach mehr Kontrolle.
Laut Anleitung geht der Tastendruck nur, wenn das Pedal ausgesteckt ist. Naja, das find ich schon unpraktisch, denn mein Kabel fällt nach dem Ausstecken immer gleich runter.
Aber wie gesagt, ich brauche es ja nicht. Es fiel mir aber auf, dass die Taste mal leuchtet, und mal nicht. Rot versteh ich noch, das leuchtet, wenn der Fuss oben ist. Allerdings hat meine Taste auch einfach mal während einer Naht begonnen zu leuchten oder ist ausgegangen.
Wenn ich mit eingestecktem Pedal doch mal auf die Taste gedrückt habe, hat die Nadel bei mir einen Stich gemacht und ein komisches Geräusch im unteren Bereich. Seltsam.

Die Technik fürs Heften (Stich Nr. 5) liegt mir nicht, da dafür der Stopffuß angebracht werden muss. Ich habe aber schon festgestellt, dass das Heften von jeder Firma anders gedacht ist, das ist dann wohl Gewohnheitssache. Ich habe statt des Heftstichs einfach den normalen Geradstich genommen, auf die längste Stichlänge gestellt und die Fadenspannung ganz runter.


Das war alles ohne einen Blick in die Anleitung möglich, schön.
Was für mich sehr ungewohnt ist, ist der Bau der Maschine. Hm, das ist schwer zu erklären. Hier mal ein Bild, was ich sehe, wenn ich nähe:
Es ist alles sehr eng. Der Transporteur ist relativ weit hinten, da vorne ja das Stauchfach dran ist. Rechts von der Nadel ist auch nicht so viel Platz, links dagegen für mich zu viel. Ob ich mich daran gewöhnen kann, ist fraglich.
Das betrifft auch die schlechte Beleuchtung. Es wird praktisch nur der Fuß beleuchtet, der durch seinen Glanz dann auch noch blendet. Dafür hätte es kein LED gebraucht.
Die Auflagefläche ist mir zu unruhig und kantig. Wenn ich Stoff unter den Fuß legen will, bleibe ich oft mit der NZG an der vorderen Kante der Stichplatte hängen.
Am Nahtanfang näht sie souverän, frisst keinen Stoff.
Wenn man die „automatische Heftfunktion“ an hat, vernäht sie am Anfang und am Ende. Die Bezeichnung finde ich irreführend, das hat für mich nichts mit heften zu tun. Vernähfunktion wär deutlicher. Leider kann man die Geschwindigkeit des Vernähens nicht regeln, das dauert mir zu lang.
Dazu kommt, dass sie am Nahtanfang nur vernäht, wenn auch vorher das Nahtende vernäht wurde. Vergisst man es, oder braucht es bei einer Naht nicht, wird die nächste angefangene auch nicht vernäht.

Der Knubbel ist der Anfang, die Fäden das Ende. Mir sind sie etwas zu kurz.

Die Saumführung wird mitgeliefert, ist im Prinzip ein praktisches Teil. Ich weiß ja nicht, wie andere ihre Säume nähen, aber für mich ist sie zu weit links angebracht. So knappte Säume kann ich auch noch mit den Hilfslinien gerade nähen.
Leider schiebt sie Stoff. Man kann den Nähfußdruck zwar leicht außen an der Maschine verstellen, aber ganz wird das Problem so nicht behoben. Hier im Bild ist der Stoff ja eigentlich schon angenäht und ich versäubere nur. Es kommt also auch etwas auf den jeweiligen Fuß an, mit dem Nähfuß A ist es nicht so schlimm.


Folgende Füßchen werden mitgeliefert:
Overlockfuß, Blindstichfuß, Reissverschlußfuß, Rollsaumfuß, Knopfannähfuß, Raupenfuß, Applikationsfuß, Kordonierfuß, Patchworkfuß, Stopffuß, Synchronnähfuß und Standardfuß (nicht im Bild, da an der Maschine).

Leider fehlt ein Fuß für den nahtverdeckten Reißverschluß. Für meine Topaz hab ich auch keinen, da nehm ich den normalen RV-Fuß. Der ist bei der Singer zwar dabei, aber zu breit, um ganz bis an die Zähnchen zu kommen. Wer ihn also braucht, muss sich einen extra kaufen.


Die Funktion „Strecken“ ist schön, das ist alles derselbe Stich, nur in 5 verschiedenen Längen. 
 Um parallele Linien zu nähen ist diese Führung dabei. Allerdings wird die so nach unten gedrückt, dass der Stoff sich wellt. Somit ist die Führung nur zu gebrauchen, wenn man dort den Saum anlegt.

Die Schriften finde ich nicht schön. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so normal ist. Es ist alles die gleiche Schrift, aber das R sieht nicht immer gleich aus. Das kleine G, C und A ist für mich am schlimmsten.

Da die Maschine mit anderen Stichen auch Probleme hat (rot), vermute ich mal, dass es daran liegt, dass sie rückwärts kleinere Stiche mach als vorwärts. Wäre es meine, würde ich sie einschicken.
Mein Blatt hat zwei Stiele statt einem.
Hier sieht man zwei Sachen. Die erste Reihe ist auf doppellagigem Stoff. Da finde ich das Stichbild gut. Die anderen Reihen sind einlagig, aber mit Vlies. Die Singer mag also lieber dicken Stoff.
Das rote Garn ist stärker als die anderen, das wird auch nicht so schön. Es darf beim Garn also nicht mehr als Standard sein.
Ich stehe auch dauernd auf dem Gaspedal. Sie ist mir einfach zu langsam. Mittlerweile ist die Geräuschkulisse auch nicht mehr so toll, bei Stichen, die seitwärts gehen fängt sie an zu klappern.
Einen dünnen Polysatin wellt sie. Ich habe alle drei Einstellungen für den Nähfußdruck versucht und auch die Oberfadenspannung sehr verändert, aber irgendwie wirken sich die Einstellungen nicht viel auf den Stich aus. Mit gleichem Garn und gleicher Nadel werden die Nähte an meiner eigenen Maschine schöner.






Fazit:
Ich würde mir die Singer Quantum Stylist nicht kaufen. Sie liegt mir von der Form und Bauweise nicht und hat mich auch vom Nähen her einfach nicht überzeugt. Da ich ja eigentlich nur mit Kombimaschinen arbeite, müsste eine reine Nähmaschine mich auch bei den Zierstichen begeistern und gerade da versagt die Singer. In dieser Preisklasse würde ich dann eher auf das „Farbdisplay“ verzichten und als Alternative die Husqvarna Opal 670 vorschlagen.

Kommentare:

  1. Hallo,
    ich bin immer nicht angetan, wenn die Bedienungsanleitung nicht gelesen wird.
    So eine neue Singer hatte ich noch nicht zum probieren, aber bei allen meinen alten Singer Maschinen, die transportgesteuerte Zierstiche haben, gibt es einen Balance Regler. Damit kann man die Stichlänge so justieren, das der Stich Vorwärts wie Rückwärts gleich lang wird.
    In der Anleitung wird das extra beschrieben - und das man auf einem Reststück probieren soll ob es passt. Und dann erst auf dem Werkstück. Nur dann werden die Zierstiche und Buchstaben gut.
    Das muß man auch immer wieder neu ausprobieren, da sich der Transport bei verschiedenen Materialien verschieden verhält, manchmal auch abhängig von der Faserrichtung des Stoffes.

    Das "Stoffberg" vom Oberstoff vor dem Füßchen herschieben lässt sich mit dem Obertransportfuß besser verhindern. Früher war der bei den besseren Singer dabei. Hier?
    Vermutlich geht das aber mit Pfaff IDT am besten.
    Alles im allem muß ich feststellen: ein wenig Aussagekräftiger Test.
    Ich werde auch keine anderen Tests von diesem Tester lesen.

    MfG Kai

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  2. Hallo Kai!
    Ob du weiter Tests von mir liest, bleibt natürlich dir überlassen.
    Wenn du das nämlich schon getan hättest, hättest du auch gemerkt, dass ich durchaus schon mal die Balance bei einer Maschine eingestellt habe.
    Soweit ich mich aber erinnern kann, gab es bei dieser Singer diese Funktion nicht.
    Ist ja auch schon etwas her.
    Jede Maschine transportiert besser mit Obertransport, aber diesen kann man nicht bei allen Projekten brauchen.
    Die Maschinen wurden nach MEINEM Bedarf getestet, meine Testkollegen sind ja teilweise auch zu etwas anderen Ergebnissen gekommen.
    Das IDT von Pfaff halte ich mittlerweile für überholt, aber Infos dazu würden sich auch in einem anderen Bericht finden, den du ja leider nie lesen wirst.
    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Freude mit deiner Nähmaschine, welche auch immer das sein mag.
    Viele Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,
      das Lesen der Anleitung hätte sich gelohnt:
      Auf Seite 98 bei der Englisch/Spanisch/Französisch - sprachigen Anleitung wird das Balance Einstellen an der 9985 erklärt.
      Welche Seitennummer das in der deutschen Anleitung ist müsstest du dann selbst nachsehen.
      Es wird am Ende des Kapitels über Zierstiche beschrieben. Kurz vor den Wartungshinweisen.
      Der regler dafü+r ist wirklich unglücklich an der Unterseite der Maschine angebracht. Also ohne Anleitung findet den sicherlich niemand. Aber für sowas wird die Anleitung ja geschrieben.
      Und ich würde jemandem, der nicht bereit ist Bedienungsanleitungen zu lesen wohl keine Maschine testen lassen.
      Auch wenn sich die Hersteller ja wirklich Mühe geben und die Maschinen heute sehr intuitiv gestalten. Was ich auch gut finde.
      Allerdings waren Bedienungsanleizungen auch schon mal besser...

      Danke, ich habe viel Freude an meinen alten Nähmaschinen. Für manche Leute gelten die sicher schon als uralt.
      Eine Pfaff ist nicht dabei - aber ich halte den IDT, den "Integrierten Dual Transport" immer noch nicht für überholt. Bei diesem System ist der Obertransport praktisch ohne das er stört vorhanden. Die Obertransportfüße die ich habe sinf mir eigentlich zu klobig, so das ich die bisher eigentlich nur ausprobiert, aber nie wirklich benutzt habe. Aber meine Oldies haben auch ohne selten Transportprobleme. Liegt aber sicherlich am verarbeiteten Material.
      Auch dir weiterhin viel Spaß mit deinen und anderen Maschinen. Und wenn du wieder Maschinen testest, bitte spätestens bei Problemen in die Anleitung sehen!
      Ich finde das ist ein Gebot der Fairnes gegenüber dem, der dir Maschine zum testen gibt und auch gegenüber dem Hersteller des Produktes.
      Solche Tests werden doch gelesen und beeinflussen die Kaufentscheidung. Korreckte Beienung gemäß Anleitung sollte da eine Grundvoraussetzung sein.

      Kai

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    2. Dir scheint die Singer ja wirklich am Herzen zu liegen.
      Gehen wir mal davon aus, dass ich das Einstellen in der deutschen Anleitung übersehen habe (wo steht eigentlich, dass ich ohne Fehler bin? Das ist mein Hobby, ich bekomm dafür kein Geld, muss also nicht perfekt sein), selbst dann wäre die Singer trotzdem nicht viel besser bei mir weggekommen.
      Wenn du meinst, ich stehe mit meiner Meinung alleine da, kannst du gerne mal bei den 18 anderen Testern nachlesen.
      Wenn du dann auch mal nicht anonym postest, kann ich dir die entsprechenden Links zukommen lassen.

      Tanja

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